Brandis verpasst die große Chance auf die zukunftssicherste Variante der Versorgung mit schnellem Internet, dem Glasfaserausbau bis in jedes Haus. Dieses Angebot unterbreitetet das Unternehmen NGN Telecom GmbH aus München den Brandisern. Die NGN hätte gern dieses neue Glasfasernetz gebaut - flächendeckend und eigenwirtschaftlich, d.h. ohne Zuschüsse von Stadt und Staat. Ohne ausreichende Beteiligung der Brandiser Haushalte ist dies wirtschaftlich jedoch nicht abbildbar. Deshalb hätten 60% der Haushalte teilnehmen müssen. Drei Monate Zeit standen dafür zu Verfügung, leider haben sich jedoch nur ca. 30% der Haushalte für das neue Netz ausgesprochen. Damit ist der flächendeckende Ausbau hinfällig.

„Wir haben eine riesige Chance für unsere Stadt verpasst“, stellt Bürgermeister Jesse enttäuscht fest, „die Chance auf eine Top-Internetversorgung mit der bestmöglichen Technologie für 80% der Haushalte in Brandis und Beucha und damit die Chance auf eine nachhaltige Standort- und Zukunftssicherung.“ Dies sei umso bedauerlicher, da unter momentanen Bedingungen eine öffentliche Förderung eines Internetausbaus nicht möglich ist. „Öffentliche Fördergelder gibt es nur“, so Jesse, „wenn Marktversagen und Unterversorgung vorliegen.“ Da die Telekom aber nahezu für das gesamte Stadtgebiet eine mittelfristige eigenwirtschaftliche Aufwertung ihrer Netze angekündigt hat, ist eine Förderung mit öffentlichen Geldern ausgeschlossen. „Dies ist fatal“, so Jesse weiter, „denn zum einen handelt es sich um völlig unverbindliche Absichtserklärungen seitens der Telekom, um hier schlichtweg Wettbewerb zu behindern, zum andern setzt die Telekom nicht auf das moderne Glasfaser sondern auf die Vectoring-Lösungen, die aus unserer Sicht nicht dem Standard entsprechen, der zukunftssicher ist.“

Inzwischen fanden auch schon erste Gespräche zwischen Bürgermeister Jesse und der NGN statt, um die Ergebnisse auszuwerten und gegebenenfalls doch noch gemeinsam nach Perspektiven zu suchen. Deren Geschäftsführer Gregor Türpe gibt sich offen. „Die vorläufige Analyse zeigt in Teilbereichen durchaus auch ein deutlich höheres Interesse am Glasfaserausbau“, so Türpe. Die NGN wolle nun prüfen, inwieweit ein punktueller Ausbau in den Bereichen Brandis Nord und Beucha Ost denkbar wäre. Darüber hinaus soll für den bislang ausgenommen Ortsteil Polenz bis zum 30. April die Nachfrage gebündelt werden. „Alle in Frage kommenden Haushalte in Brandis Nord, Beucha Ost und Polenz werden hierüber gesondert direkt informiert. Dann wird es noch einmal darauf ankommen, dass in den betreffenden Gebieten genügend Haushalte einen Vorvertrag abschließen. Währenddessen bleibt der Glasfaserhausanschluss weiterhin kostenfrei.“

Für Teilbereiche böte sich damit doch nochmal die Chance, zukunftssicheres Highspeed-Internet zu bekommen. „Das wird aber dann wohl die allerletzte Möglichkeit sein“, so Bürgermeister Jesse, „Breitband nach Brandis und Glasfaser in die Haushalte zu holen.“